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Personenschiffahrt bei Aschaffenburg

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NOCH NAMENLOS ist das Passagierschiff, das Friedrich Raab aus Leider derzeit auf einer Werft in den Niederlanden bauen lässt. Schon ab Mai 1997soll der Passagierdampfer auf dem Main verkehren. Heimat des rund 26 Meter langen Gefährts ist der Aschaffenburger Floßhafen.               Foto: Friedrich Raab

Statt Dolce Vita Arbeit auf des Maines Fluten:
Friedrich Raab aus Leider
baut Passagierschiff

200 Fahrgäste finden Platz
Ab Mai verkehrt das noch namenlose Gefährt auf dem Main

Da hat der Aschaffenburger Friedrich Raab gerade mal ein Jahr festen Boden unter den Füßen, und schon hält er es nicht mehr aus. In dem Leiderer Bub' schlägt eben ein richtiges Schifferherz, und folglich ist sein kühner Plan, das Leben auf den Flüssen für immer an den Nagel zu hängen und stattdessen dem süßen Nichtstun zu frönen, fehlgeschlagen. Friedrich Raab hat in den Niederlanden ein Passagierschiff bauen lassen, das im April im Aschaffenburger Floßhafen anlegen wird. Ab 1. Mai 1997 soll es dann heißen: »Leinen los« für die »Aschaffenburger Personenschifffahrt«.
Eigentlich wundert es nicht, dass das ruhige Leben in der Leiderer Rulandstraße für Friedrich Raab und seine Frau Irmgard nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte. Der 50jährige stammt aus einer alten Schifferfamilie. Bis ins frühe 16. Jahrhundert hat er seine Wurzeln zurückverfolgt, und selbst in jener alten Zeit waren die Raabs Schiffer, Flößer oder Fischer.

Mehr als Gemächlichkeit
So verdienten auch die Eltern des Schiffsführers mit Schleppschiff-Transporten ihr Geld auf europäischen Binnengewässern, und schon mit 15 Jahren zog es den kleinen Friedrich ebenfalls ans Steuerruder.  Für die nächsten rund 35 Jahre hielt er es dann auch fest in der Hand. Zunächst mit dem Vater, dann mit der Frau. 1989 kauften die Raabs ihr vorerst letztes Wassergefährt. Ein 105 Meter langes Motorschiff mit 2700 Bruttoregistertonnen.  Durch Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und viele andere Länder transportieren Irmgard und Friedrich Raab Fracht und verdienten damit ihr Geld.
Vor einem Jahr sollte damit Schluss sein. Die Einrichtung der komfortablen Wohnung auf dem großen Kahn wurde kurzerhand im Leiderer Elternhaus aufgestellt, die »Mignon« verkauft. Seitdem ist der Blick, den die Raabs morgens aus dem Fenster werfen, immer der gleiche, und auch der Bäcker, der die Frühstücksbrötchen backt, ist nicht mehr jeden Tag ein anderer. Kurzum: Für das Ehepaar durfte es schon etwas mehr sein als ein gemächliches, sesshaftes Privatleben und so ersannen sie den kühnen Plan, in Aschaffenburg einen Passagierdampfer vor Anker gehen zu lassen.

Auf neuestem Stand
Das Schiff ist 26,5 Meter lang, 5,7 Meter breit und technisch auf dem neuesten Stand. Mit rund 15 Stundenkilometern, schätzt Raab, wird es demnächst über den Main schippern – angetrieben von einem 270 PS starken Motor. Rund 200 Fahrgäste finden auf Unterdeck und Oberdeck Platz, einige von ihnen im Freien. Und: Auch Behinderte müssen von einer Schifffahrt auf dem Main nicht länger träumen, denn das Boot ist behindertengerecht ausgebaut.  Im Innenraum gibt Holz den Ton an und soll für ein wohnliches Ambiente sorgen.  Die künftigen Main-»Kreuzfahrer« müssen freilich weder dursten noch hungern: Es gibt eine Bar und eine Küche.
Mit dem neuen Wasserfahrzeug hoffen die Raabs, eine echte Attraktion für die Aschaffenburger, aber auch für Touristen zu schaffen. Nach ihrem Willen sollen ab Mai, Schulklassen auf dem Dampfer durch die Fluten schaukeln. Mit Besichtigungen des Hafens und Fahrten zu den Schleusen will man die Kids locken; ein entsprechendes Schreiben an die Schulen der Stadt ist schon auf den Weg gebracht.
Des weiteren will die »Aschaffenburger Personenschifffahrt« Fahrten nach Seligenstadt, Obernburg, Wörth und Klingenberg anbieten. So muss in naher Zukunft beim Besuch des Obernburger Apfelblütenfests oder des Klingenbürger Weinfests niemand mehr auf einen guten Schoppen verzichten, da Friedrich Raab der Mann am Steuer ist. Und wer auf den Klingenbürger Roten nicht warten will: Irmgard Raab übt sich als versierte Barkeeperin und hält auch Snacks bereit.

Schließlich kann man die schwimmende Attraktion auch privat nutzen. Das »In den Hafen der Ehe treten« mag für manch einen schon bald den Sprichwortcharakter verlieren, und natürlich freuen sich die Raabs auch über Geburtstage und Betriebsfeiern auf ihrem Schiff, Für das leibliche Wohl der Festgäste könnte dann. sofern gewünscht, ein Catering-Service sorgen.
Name gesucht
Neben Irmgard und Friedrich Raab, die ab Mai zumindest wieder einen Teil ihres Lebens auf Schiffsplanken verbringen können, werden auf dem Boot voraussichtlich noch einen Matrose und eine Bedienung anheuern. Ist die Mannschaft komplett. kann Friedrich Raab am 1. Mai 1997 die Maschine starten. Ein Problem allerdings gibt es noch: Das Raabsche »Kind« ist noch namenlos. »Johannisburg«, »Dalberg«, »Mainnixe« – den Stein des Weisen haben Irmgard und Friedrich Raab bislang noch nicht gefunden.
                                                                                                             Jürgen Overhoff

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